Foto: Martin Hildebrandt Er existiert tatsächlich gar nicht, dennoch ist dieser Ort ein wunderbares Beispiel dafür, was auf dieser Seite bald möglich sein wird.
Mittags um zwölf dreht Lena Rückert das Schild an der Tür um. Auf der Vorderseite steht „Offen“, darunter, etwas kleiner, „für alle, die alle mögen“. Wer das Café zur bunten Sonne in der Dorfstraße 12 betritt, merkt schnell, dass dieser Satz kein Dekor ist. Er ist die Hausordnung.
Leegebruch liegt im Landkreis Oberhavel, nördlich von Berlin, nicht weit von Oranienburg. Eine Gemeinde mit Einfamilienhäusern, Gärten und viel Ruhe. Mittendrin ein Café, das sich selbst als lesbisch-queer beschreibt. Auf dem Land ist das selten. Lena Rückert wusste das, als sie den Laden eröffnete. „Natürlich habe ich mir überlegt, ob das hier funktioniert“, sagt sie. „Aber wenn alle nur in Berlin bleiben, ändert sich draußen nie etwas.“
Das Café ist klein, hell und gemütlich. Ein paar Tische aus altem Holz, Stühle, die nicht zueinander passen, an der Wand Fotos von Gästen und eine Regenbogenfahne, die nicht zu übersehen ist. Die Küche ist französisch inspiriert: Quiche mit Lauch und Ziegenkäse, Croque Monsieur, eine Tarte du Jour und Café au Lait in großen Schalen. Dazu gibt es jeden Tag eine vegetarische Suppe. Die Rezepte stammen zum Teil von Rückerts Großmutter, die einige Jahre in Lyon gelebt hat. „Butter ist die wichtigste Zutat“, sagt Rückert und lacht. „Gleich nach Respekt.“
Geöffnet ist nur montags bis freitags von 12 bis 14 Uhr. Das klingt knapp, hat aber einen Grund: Rückert betreibt das Café neben ihrem eigentlichen Beruf, unterstützt von zwei Freundinnen und einer Schülerin, die hier ihr erstes Geld verdient. In diesen zwei Stunden ist es oft voll. Handwerker aus dem Ort kommen zum Mittagessen, Mütter mit Kinderwagen, Rentnerinnen aus der Nachbarschaft und an manchen Tagen auch Ausflügler:innen aus Berlin, die den Tipp über Freund:innen bekommen haben.
Die Haltung des Hauses ist eindeutig. „Das Leben ist bunt, wir sind es auch“ steht auf einer Tafel neben der Kasse. Und darunter, ohne Umschweife: Rassisten haben Hausverbot. Durchsetzen musste Rückert das bisher nur selten. Einmal, erzählt sie, habe ein Gast eine abfällige Bemerkung über eine schwarze Familie am Nebentisch gemacht. „Ich habe ihn freundlich gebeten zu zahlen und zu gehen. Der Rest des Cafés hat geklatscht.“ Die Familie kommt seitdem regelmäßig.
Gerade für Menschen, die in Brandenburg schon schlechte Erfahrungen gemacht haben, soll das Café ein sicherer Ort sein. Queere Paare, die auf dem Land sonst lieber nicht Hand in Hand gehen. Menschen mit Migrationsgeschichte, die sich fragen, ob sie hier willkommen sind. Rückert weiß, dass ein Café allein die Welt nicht verändert. „Aber es kann ein Anfang sein. Ein Ort, an dem man durchatmet.“
Barrierefreiheit ist ihr wichtig. Der Eingang ist ebenerdig, die Toilette rollstuhlgerecht, die Tische lassen sich verschieben. Familien sind ausdrücklich willkommen: Es gibt eine Spielecke mit Büchern und Buntstiften, Hochstühle und kleine Portionen für Kinder. Wer möchte, bekommt den Kakao mit einer Sonne aus Milchschaum.
Im Ort sind die Reaktionen gemischt, aber überwiegend freundlich. Der Bäcker zwei Häuser weiter liefert morgens die Baguettes, die Gemeinde hat das Café zum Sommerfest eingeladen, und an der Pinnwand hängen Zettel von Nachbar:innen, die Hilfe beim Rasenmähen oder einen Babysitter suchen. „Viele kommen erst aus Neugier“, sagt Rückert. „Und bleiben dann wegen der Quiche.“
Für die Zukunft hat sie Pläne. Einmal im Monat soll es einen Abend geben, mit Lesungen, Musik oder einfach einem offenen Tisch für alle, die neu in der Gegend sind. Außerdem träumt sie von einem kleinen Garten hinter dem Haus, in dem im Sommer Kräuter und Tomaten wachsen.
Wer aus Berlin anreist, sollte die kurzen Öffnungszeiten einplanen und am besten vorher kurz anrufen, ob noch ein Tisch frei ist. Die Fahrt lohnt sich, auch für die Umgebung mit Seen und Wäldern. Und spätestens beim ersten Café au Lait merkt man, dass dieser Ort hält, was das Schild an der Tür verspricht.
(Testtext – Ort und Personen sind erfunden.)
Die Haltung
Klare Botschaft: Rassisten haben Hausverbot
"Das Leben ist bunt, wir sind es auch"
Merkmale
- Rollstuhlgerecht
- französisch
- kinderfreundlich